3,76 Prozent: Der Zins, an dem der Netzanschluss hängt

3,76 Prozent: Der Zins, an dem der Netzanschluss hängt

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Die Bundesnetzagentur will Gasnetzbetreibern ab 2028 eine Kapitalverzinsung von 3,76 Prozent zugestehen. Über die Stromnetze entscheidet sie 2027. Für Rechenzentren in Baden-Württemberg ist das keine Fußnote.

Am 14. August hat die Bundesnetzagentur einen Entwurf veröffentlicht, der auf den ersten Blick nur Fachleute angeht. Gasnetzbetreiber sollen in der Regulierungsperiode 2028 bis 2032 eine Kapitalverzinsung von 3,76 Prozent erhalten. Dahinter stehen ein Eigenkapitalzins von 5,76 Prozent vor Steuern, ein Fremdkapitalzins von 2,43 Prozent und die Annahme, dass Netze zu 40 Prozent mit Eigen- und zu 60 Prozent mit Fremdkapital finanziert werden. Die Konsultation lief bis 14. September, die Festlegung soll bis Ende 2026 kommen.

Wir hätten das vermutlich überlesen. Wäre da nicht ein Satz in der Mitteilung: Für Übertragungs- und Stromverteilnetzbetreiber legt die Bundesnetzagentur die Kapitalverzinsung in eigenständigen Verfahren im Jahr 2027 fest.

Netze sind Monopole. Deshalb bestimmt nicht der Markt, was ein Netzbetreiber auf sein eingesetztes Kapital verdient, sondern die Behörde. Sie muss zwei Ziele zusammenbringen, die sich reiben. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sagt, Investitionen sollen „finanzierbar und für Kapitalgeber attraktiv bleiben“, zugleich sollen Verbraucher vor überhöhten Entgelten geschützt werden. Beides vollständig geht nicht. Irgendwo liegt der Schnitt.

Die Netzbetreiber sehen ihn zu tief. Auf dem BDEW-Branchentreffen „Treffpunkt Netze“ in Berlin sagte E.on-Netze-Chef Thomas König laut WELT, er müsse sich Geld für 4,5 Prozent bei der Bank leihen und bekomme von der Behörde 3,7 Prozent zurück. Constantin Alsheimer von der Thüga warnte dort, man solle sich nicht wundern, wenn Investitionen ausblieben. Die eigentliche Sorge der Branche gilt dem nächsten Jahr, wenn die Stromnetze an der Reihe sind. Müller hält sie für unbegründet: Beim Gas sei mit sinkendem Bedarf zu rechnen, beim Strom müsse Wachstum organisiert werden.

Welche Seite recht hat, können wir von außen nicht entscheiden. Das ist auch nicht unsere Rolle. Wir sehen aber, warum die Frage für Deutschland Compute 2035 zählt.

Unsere Leitfrage an die Netzseite lautet: Welche Standorte in Baden-Württemberg haben bis 2030 einen zusagbaren Netzanschluss ab 100 Megawatt? Hinter jeder Antwort steht ein Netzbetreiber, der dafür investieren muss, oft ein Stadtwerk. Ob er das kann, hängt an Trafos, Trassen und Genehmigungen. Es hängt aber auch an einer Zahl, die 2027 in Bonn festgelegt wird.

Im Wochenimpuls vom Sonntag stand: Kapital ist da, knapp sind Netz, Zeit und Zustimmung. Das halten wir weiter für richtig. Ergänzen muss man nur, dass Kapital zu dem Preis kommt, den es verlangt. Beim Rechenzentrum handelt den der Investor selbst aus. Beim Netz davor setzt ihn die Regulierung.

Uns wundert, wie selten diese Frage in der Debatte über Rechenzentren auftaucht. Wir reden über Gigawatt, Gigafabriken und Kühlung. Über den Zinssatz, zu dem ein Stadtwerk den Anschluss baut, redet kaum jemand.

Für den Arbeitstisch, den wir aufbauen, nehmen wir das mit. Wir wollen von Stadtwerken und Netzbetreibern in der Region wissen, wie sie heute rechnen, wenn eine große Anfrage kommt, und was sich für sie 2027 entscheidet. Wer dazu Erfahrung hat, schreibt uns gern.

Bild: Eleonora Vokueva / Pexels – Kabeltrommeln im Freien (Symbolbild)

Quellen:

Bundesnetzagentur, Bundesnetzagentur konsultiert pauschalierte Kapitalverzinsung für die Gasnetzbetreiber, 14.08.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260814_WACC.html

ZfK, Gasnetz-Zins schürt Sorge vor Stromnetz-Dämpfer, 31.08.2026: https://www.zfk.de/energie/gasnetz-zins-schuert-sorge-vor-stromnetz-daempfer

WELT, Das Dilemma der deutschen Energiewende (Daniel Wetzel), Oktober 2026: Link nicht verfügbar