30 Megawatt pro Tag: So viel KI-Rechenzentrumsleistung will eine Fabrik in Rumänien ab 2028 fertigen. Pumpen und Lüfter liefert Deutschland. Für den Standort stellt sich damit eine neue Frage: Wo stehen die Fabriken für Rechenzentren?
30 Megawatt pro Tag – das ist die Zahl auf unserer Grafik, und sie stammt nicht aus einer Studie, sondern aus einer Werkshalle in Rumänien. Das Start-up Runware will dort KI-Rechenzentren fertigen wie Autos: als fertige Module, die nach der Anlieferung in 48 Stunden laufen sollen. Bis 2028 soll die Fabrik rund 30 Megawatt pro Tag liefern, fast ein Gigawatt im Monat. So hat es das Unternehmen am 30.10.2026 gegenüber TechCrunch beschrieben. Eine zweite Fabrik soll Anfang 2027 in Betrieb gehen.
Zum Vergleich: In den USA kommen laut TechCrunch in diesem Jahr rund 10 Gigawatt Rechenzentrumsleistung hinzu. Eine einzige Fabrik würde in einem Jahr also in dieselbe Größenordnung kommen. Gekühlt wird in einem geschlossenen Flüssigkeitskreislauf mit luftgekühlten Rückkühlern, ein Wasseranschluss ist nicht nötig. Pumpen und Lüfter kommen nach Angaben des Unternehmens aus Deutschland.
Ob das gelingt, ist offen. Serienfertigung ist leicht angekündigt und schwer gemacht. Runware nennt selbst Interesse von Kunden über rund eine Milliarde Dollar und Standorte mit 397 Megawatt in Planung – beides sind Angaben des Unternehmens, nicht unabhängig geprüft.
Warum uns das trotzdem beschäftigt: KI hilft inzwischen mit, die nächste KI zu entwickeln. Auf dem Weg zu dem, was viele Superintelligenz nennen – KI, die Menschen bei fast allen geistigen Aufgaben übertrifft –, entscheidet Tempo. Und Tempo heißt bei Rechenzentren bisher vor allem: Bauplatz, Netzanschluss, Genehmigung. Wenn Rechenzentren künftig in Serie entstehen, kommt eine zweite Frage dazu: Wer hat die Fabrik, die sie liefert?
Bei den Teilen ist Deutschland stark. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg ist ebm-papst in Mulfingen, das unter anderem Lüfter für die Kühlung von Rechenzentren herstellt. Laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht vom 17.08.2026 soll das Unternehmen an Madison Air aus den USA gehen; der Abschluss wird um den Jahreswechsel erwartet, der Hauptsitz bleibt in Mulfingen.
Was wir uns fragen: Reicht es, die besten Teile zu liefern? Oder braucht ein Industrieland wie Deutschland auch eigene Fabriken für Rechenzentren – mit Maschinenbau, Kälte- und Elektrotechnik aus einer Hand? Wir freuen uns über Hinweise aus Unternehmen, die daran schon arbeiten.
Quellen: TechCrunch, 30.10.2026 · Madison Air, Mitteilung an die SEC (Form 8-K), 17.08.2026 · ebm-papst, Kühllösungen für Rechenzentren
Bild: Zahlenkarte „30 MW pro Tag“ – eigene Grafik Deutschland Compute 2035


