Amazon investiert in einem Quartal 77,3 Milliarden Dollar, und der schwache Euro macht dieselbe Hardware für Europa rund 3,8 Prozent teurer als vor einem Jahr. Den Chippreis bestimmen andere. Den Preis eines Standorts können wir selbst senken.
Die Zahl auf unserer Grafik ist klein: 3,8 Prozent. So viel mehr kostet einen europäischen Betreiber dieselbe in Dollar bezahlte Hardware heute als vor einem Jahr. Der EZB-Referenzkurs lag am 30. Oktober 2025 bei 1,1550 Dollar je Euro, am 29. Oktober 2026 bei 1,1130 Dollar. Auf eine Rechnung über eine Million Dollar sind das knapp 33.000 Euro Unterschied.
Am selben Tag legte Amazon Quartalszahlen vor. Die Cloud-Sparte AWS wuchs um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar Umsatz. Für Sachanlagen gab der Konzern in drei Monaten 77,3 Milliarden Dollar aus, ein Jahr zuvor waren es 35,1 Milliarden. Die Nachfrage nach Rechenleistung ist da, und sie wird mit Summen bedient, die Europa so nicht aufbringt.
Was folgt daraus? Ich teile die Rechnung in zwei Hälften. Die eine, also Chips, Server und Netztechnik, wird in Dollar bezahlt und folgt dem Weltmarkt. Die andere entsteht hier und wird in Euro bezahlt: Strom, Fläche, Netzanschluss, Genehmigung, ein Abnehmer für die Wärme.
In dieser zweiten Hälfte liegt der Engpass. Beim Netzbetreiber Mitnetz Strom lagen Ende 2025 laut ingenieur.de rund 90 Anfragen von Rechenzentren mit zusammen 16,8 Gigawatt vor; verbindlich reserviert waren neun Projekte mit rund 1,4 Gigawatt. Die angefragte Leistung sagt wenig über den späteren Verbrauch, aber viel darüber, wo es klemmt. Seit April 2026 vergeben die Übertragungsnetzbetreiber knappe Kapazität nach Projektreife statt nach Eingangsdatum. Gut vorbereitete Standorte haben damit einen echten Vorteil.
Baden-Württemberg geht einen kleinen, konkreten Schritt: Das Land fördert in Heilbronn mit rund zehn Millionen Euro ein Reallabor für physische KI, zu dem ein Beta-Rechenzentrum gehört. Gemessen an den amerikanischen Summen ist das wenig. Es zeigt aber, welcher Teil der Rechnung vor Ort entsteht.
Mich lässt eine Frage nicht los: Reden wir zu viel über Chippreise, die wir nicht beeinflussen, und zu wenig über Anschlüsse, Flächen und Strompreise, die wir sehr wohl beeinflussen können? Welche Stellschraube würden Sie zuerst drehen?
Grafik: Deutschland Compute 2035, eigene Darstellung.
Quellen: Amazon, Quartalszahlen Q3 2026 (29.10.2026): https://ir.aboutamazon.com/news-release/news-release-details/2026/Amazon-com-Announces-Third-Quarter-Results/default.aspx · EZB-Referenzkurs 30.10.2025 (Banca d’Italia): https://www.bancaditalia.it/compiti/operazioni-cambi/cambio/cambi_rif_20251030 · EZB-Referenzkurs 29.10.2026 (dpa-AFX über onvista): https://www.onvista.de/news/2026/10-29-devisen-eurokurs-gefallen-ezb-referenzkurs-1-1130-us-dollar-0-10-26570042 · Netzanfragen Mitnetz Strom (ingenieur.de, 08.10.2026): https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/kuenstliche-intelligenz/zu-wenig-strom-fur-ki-wie-deutschland-jetzt-anschlusse-fur-rechenzentren-verteilt/ · Landesregierung Baden-Württemberg (08.10.2026): https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/zehn-millionen-euro-fuer-reallabor-fuer-physische-ki-am-ipai-campus · Umrechnungen: eigene Berechnung.


