Ein Rohbau mit vielen Stützen, in dem noch niemand arbeitet: So lässt sich eine neue Auswertung zu den Erträgen aus KI in den USA lesen. Für Deutschland lenkt sie den Blick auf die Frage, ob kleine und mittlere Betriebe an die nötige Rechenleistung kommen.
Auf dem Bild steht ein Rohbau. Viele Stützen, dicht an dicht, Beton und Gerüststangen, ein Bau, in dem noch niemand arbeitet. Das Foto passt zu einer Auswertung, die Torsten Slok, Chefökonom des US-Investors Apollo, am 24. Oktober 2026 veröffentlicht hat.
Slok vergleicht die sieben großen Tech-Konzerne der USA mit den übrigen 493 Unternehmen im Aktienindex S&P 500. Bei den sieben steigen Umsatz je Beschäftigtem und Gewinnmargen. Bei den anderen 493 verlaufen beide Linien flach. Sein Schluss: Außerhalb der Techbranche hat KI den Unternehmen bisher keinen finanziellen Ertrag gebracht, und Hinweise auf ein höheres Produktivitätswachstum sieht er noch nicht. Ausgaben für KI-Modelle betrachten viele dieser Firmen laut Slok zunehmend als Kostenblock.
Man kann das als Warnsignal lesen. Ich lese es eher als Hinweis darauf, wo der Ertrag noch fehlt. Solange nur wenige Konzerne an KI verdienen, hängt viel an deren Börsenwert. Zu breitem Wohlstand wird KI erst, wenn Betriebe sie im Alltag nutzen, in der Konstruktion, im Einkauf, in der Wartung.
Wie weit ist Deutschland? Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2025 insgesamt 26 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten KI. Bei den großen mit 250 und mehr Beschäftigten waren es 57 Prozent, bei den mittleren 36 Prozent, bei den kleinen mit 10 bis 49 Beschäftigten 23 Prozent. Der Abstand ist groß. Und gerade die kleinen und mittleren Betriebe prägen Länder wie Baden-Württemberg mit seinen vielen Maschinenbauern und Zulieferern.
Was hält sie zurück? Die Statistik sagt es nicht. Naheliegend sind ein paar sehr praktische Fragen: Wo liegen meine Daten, wenn ich ein Modell nutze? Was kostet das im nächsten Jahr? Wer hilft, wenn es hakt? Hinter jeder dieser Fragen steht auch Infrastruktur, also Rechenleistung, die nah ist, planbar bezahlt werden kann und europäischem Recht unterliegt.
Dazu kommt das Tempo. Bei Deutschland Compute 2035 sprechen wir von Superintelligenz, also von KI, die dem Menschen bei den meisten Denkaufgaben überlegen ist und schon auf dem Weg dorthin die nächste KI mitentwickelt. Wie schnell sich Arbeit verschiebt, zeigt eine Auswertung von Anthropic: Dort arbeiteten im August laut Unternehmen die von Beschäftigten gesteuerten KI-Agenten sechsmal so viele Stunden wie die Beschäftigten selbst. Ob sich das auf einen Handwerksbetrieb übertragen lässt, ist offen. Die Richtung ist es kaum.
Für uns folgt daraus eine Aufgabe. Rechenzentren und Netzanschlüsse sollten nicht nur für die Großen geplant werden, sondern so, dass auch ein Betrieb mit 30 Beschäftigten darauf zugreifen kann. Deshalb stellt DC2035 in seinen Gesprächen eine einfache Frage: Wie viel Rechenleistung brauchen Sie bis 2030, und wo würden Sie sie beziehen?
Wenn Sie in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten: Was fehlt Ihnen heute am meisten?
Bild: Tolu Olubode / Unsplash – Rohbau aus Beton mit Stützen und Gerüststangen
Quellen:
Apollo (Torsten Slok), No Signs of AI Payoff Outside the Tech Sector, 24.10.2026: https://www.apollo.com/wealth/insights-news/insights/daily-spark/no-signs-of-ai-payoff-outside-the-tech-sector
Statistisches Bundesamt, Unternehmen, die künstliche Intelligenz nutzen, 2025 (Stand 24.11.2025): https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/IKT-in-Unternehmen-IKT-Branche/Tabellen/ikti-unternehmen-kuenstliche-intelligenz.html
Anthropic, How employment is changing at Anthropic, 16.10.2026: https://www.anthropic.com/research/employment-at-anthropic


