Bis zum 12. November läuft die EU-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken. Die Bundesregierung will mindestens eine nach Deutschland holen. Doch die Reform, die über den Zugang zum Stromnetz entscheidet, steckt noch im Parlament.
Am 30. Juli hat die Europäische Kommission die Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken in Europa gestartet. Bis zu 10 Milliarden Euro sollen aus EU- und nationalen Mitteln kommen, mindestens 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen sollen folgen. Bewerbungen sind bis zum 12. November 2026 möglich, die Vergabeentscheidungen erwartet die Kommission bis Anfang 2027. Von heute an sind das noch 41 Tage.
Die Bundesregierung hat sich festgelegt. Im Zwischenmonitoring ihrer Rechenzentrumsstrategie vom 17. September steht als Maßnahme, die Ansiedlung mindestens einer KI-Gigafabrik in Deutschland zu unterstützen. Das ist ein klares Signal, und es ist richtig.
Im selben Monitoring steht aber auch, an welcher Stelle der Weg noch nicht frei ist. Das Netzanschlusspaket soll den Übertragungsnetzbetreibern mehr Spielraum geben, Netzanschlüsse nach Projektreife statt nach Eingang zu vergeben. Es wurde im Juli vom Kabinett beschlossen und befindet sich im parlamentarischen Verfahren. Der Gesetzentwurf beschreibt die Ausgangslage selbst deutlich: Das bislang vorherrschende Windhund-Prinzip, bei dem der schnellste Antrag bevorzugt wird, sei angesichts der Zahl der Anfragen nicht mehr zeitgemäß.
Damit laufen zwei Uhren nebeneinander. Die europäische Uhr läuft am 12. November ab. Die deutsche Uhr für die Regeln, nach denen große Verbraucher ans Netz kommen, läuft noch. Wer eine Gigafabrik in Deutschland ansiedeln will, plant also in einen Rahmen hinein, der sich gerade verändert.
Für Deutschland Compute 2035 folgt daraus eine nüchterne Reihenfolge. Eine Gigafabrik ist zuerst eine Frage von Strom und Netzanschluss, dann eine Frage von Chips, Gebäuden und Kapital.
Für Baden-Württemberg heißt das: Die entscheidenden Antworten liegen bei Netzbetreibern, Kommunen und Versorgern, und sie werden jetzt gebraucht, nicht erst nach der Vergabe. Sie werden auch dann gebraucht, wenn das Land in dieser Runde nicht zum Zug kommt, denn jedes andere große Rechenzentrumsprojekt stellt dieselbe Frage.
Deshalb stellen wir sie offen: Welche Standorte in Baden-Württemberg haben bis 2030 einen zusagbaren Netzanschluss in der Größenordnung ab 100 Megawatt, und in welcher Reihenfolge werden diese Kapazitäten vergeben?
Die Bausteine sind vorhanden: Industrie mit Rechenbedarf, Forschung und Höchstleistungsrechnen, Stadtwerke, Netzbetreiber und Kapital. Was fehlt, ist der gemeinsame Tisch, an dem diese Seiten eine konkrete Infrastrukturfrage gemeinsam beantworten. Genau dafür arbeitet Deutschland Compute 2035.
JETZT HANDELN.
Bild: Steve Pancrate / Unsplash – Symbolbild: Hürden auf einer Laufbahn
Quellen:
Europäische Kommission, EU launches AI Gigafactories call to boost Europe’s computing capacity and unlock more than €30 billion in investment, 30.07.2026: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/eu-launches-ai-gigafactories-call-boost-europes-computing-capacity-and-unlock-more-eu30-billion
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Zwischenmonitoring der Rechenzentrumsstrategie, 17.09.2026: https://bmds.bund.de/themen/digitale-wirtschaft/recheninfrastruktur/zwischenmonitoring-rechenzentrumsstrategie
Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7866 – Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Netzanschlussverfahren, 07.09.2026: https://dserver.bundestag.de/btd/21/078/2107866.pdf


