Weltweit arbeiten erstmals fünf Millionen Industrieroboter in Fabriken. Das zeigen die neuen Jahreszahlen der International Federation of Robotics. Mehr als 600.000 Roboter kamen 2025 hinzu, 59 Prozent davon in China. Deutschland bleibt Europas größter Markt, verliert aber an Tempo. Was das für Physical AI und für die Rechenleistung bedeutet, die sie braucht.
Am 24. September hat die International Federation of Robotics (IFR) in Frankfurt ihren Bericht „World Robotics 2026“ vorgestellt. Die zentrale Zahl: Der weltweite Bestand an Industrierobotern ist 2025 um 9 Prozent auf den Rekordwert von fünf Millionen Einheiten gewachsen. IFR-Präsidentin Jane Heffner weist darauf hin, dass sich diese Zahl innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppelt hat.
Allein 2025 wurden weltweit mehr als 600.000 Industrieroboter neu installiert, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2026 erwartet die IFR 655.000 Einheiten, für 2029 rund 806.000.
China baut seinen Vorsprung aus
Der Schwerpunkt dieses Wachstums liegt eindeutig in Asien. In China stiegen die Installationen um 20 Prozent auf rund 354.000 Einheiten; das sind 59 Prozent aller weltweit neu installierten Industrieroboter. Bemerkenswert ist eine zweite Zahl: Chinesische Hersteller haben im eigenen Land mehr Roboter verkauft als ausländische Anbieter. Ihre Installationen stiegen um 15 Prozent auf 195.000 Einheiten, ein Marktanteil von 55 Prozent.
Die USA haben 2025 Japan überholt und sind mit knapp 38.500 Einheiten (plus 12 Prozent) der zweitgrößte Markt. Japan fiel auf Rang drei zurück.
Deutschland: stark, aber langsamer
Deutschland ist laut IFR der fünftgrößte Robotermarkt der Welt und mit großem Abstand der größte in Europa; auf Deutschland entfallen 41 Prozent aller Installationen in der Europäischen Union. Zugleich sanken die Installationen 2025 um 8 Prozent auf weniger als 25.000 Einheiten. Für Europa insgesamt rechnet die IFR laut Präsentation zur Pressekonferenz 2026 mit einer Seitwärtsbewegung und erst für 2027 bis 2029 mit einem durchschnittlichen Wachstum von 6 Prozent pro Jahr.
Das ist kein Grund für Niedergangsrhetorik. Deutscher Maschinenbau, Antriebs- und Steuerungstechnik, Sensorik, Sicherheitstechnik und Systemintegration gehören weltweit zur Spitze. Aber die Zahlen zeigen, wo die Skalierung heute stattfindet – und wer daraus seinen eigenen Anbietermarkt aufbaut.
Humanoide: sichtbar, aber noch klein
Die humanoiden Roboter, die Messen und Schlagzeilen prägen, spielen in dieser Rechnung noch eine kleine Rolle. Die IFR beziffert die weltweit verkauften Einheiten für 2025 auf knapp 7.000; mehr als die Hälfte der 174 erfassten Humanoid-Hersteller sitzt in China. Nach Berichten über erste IFR-Angaben vom 21. September dient ein erheblicher Teil der Geräte bislang Forschung und Entwicklung.
Warum das eine Compute-Frage ist
Physical AI entsteht nicht aus dem Nichts. Sie wächst aus der installierten Basis: aus Fabriken, in denen Roboter bereits arbeiten, aus den Betriebsdaten, die sie erzeugen, und aus einem Lieferantenmarkt, der Stückzahlen gewohnt ist. Wer diese Basis hat, kann die nächste, KI-gestützte Generation trainieren, testen und in den Betrieb bringen. Dafür braucht es Rechenleistung – verlässlich verfügbar, bezahlbar und so nah an der Produktion, dass Datenhoheit und Latenz kein Hindernis sind.
Hier liegt die Aufgabe für Deutschland und Baden-Württemberg. Die Bausteine sind vorhanden: Industrie mit hohem Automatisierungsgrad, starke Zulieferer, Forschung und ein wachsendes KI-Ökosystem. Was bislang fehlt, ist die Verbindung. Automatisierung, Industriedaten und regionale Rechenkapazität werden noch zu oft getrennt geplant – von unterschiedlichen Akteuren, in unterschiedlichen Zeithorizonten.
Deutschland Compute 2035 setzt genau an dieser Schnittstelle an. Die Frage an Industrie und Mittelstand lautet nicht, ob Physical AI kommt, sondern: Wie viel Rechenleistung brauchen Sie bis 2030 für Automatisierung und KI in der Produktion – und wo werden Sie sie beziehen? Aus den Antworten entsteht das Nachfrageprofil, das Netzbetreiber, Kommunen und Betreiber brauchen, um Kapazität rechtzeitig bereitzustellen.
Fünf Millionen Roboter sind eine Industriestatistik. Sie sind auch ein Hinweis darauf, wo die Daten und die Rechenlast der nächsten Jahre entstehen.
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Bild: Hoang NC / Pexels – Symbolbild: Ingenieurin überwacht einen Roboterarm in einer Fertigung.
Quellen: International Federation of Robotics, Pressemitteilung „Five Million Robots now Operate in Factories Globally“, Frankfurt, 24.09.2026: https://ifr.org/ifr-press-releases/news/five-million-robots-now-operate-in-factories-globally International Federation of Robotics, Präsentation zur Pressekonferenz World Robotics 2026, 24.09.2026: https://ifr.org/downloads/press_docs/Market_Presentation_WR_Press_Conference_2026.pdf International Federation of Robotics, World Robotics (Übersicht): https://ifr.org/worldrobotics/ TNGlobal, „Global humanoid robot sales reached about 7,000 in 2025: IFR“, 21.09.2026: https://technode.global/2026/09/21/global-humanoid-robot-sales-7000-2025-ifr/


