Ein Chip allein ist keine Strategie

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Alibaba hat einen neuen KI-Chip vorgestellt. Die eigentliche Nachricht liegt aber daneben: Chip, Rechenzentrum, Cloud und Modell kommen aus einer Hand. Für Deutschland und Europa stellt sich deshalb weniger die Frage nach einzelnen Bausteinen als die nach ihrer Verbindung.

Am 22. September hat Alibaba auf seiner Apsara-Konferenz in Hangzhou den KI-Chip Zhenwu V900 vorgestellt. Nach Unternehmensangaben liefert er die dreifache Leistung seines Vorgängers, des erst im Mai vorgestellten Zhenwu M890. Serienproduktion und Markteinführung sind für das erste Quartal 2027 geplant. Bereits heute setzen laut Alibaba mehr als 650 Kunden aus Automobilindustrie, Finanzwesen, Energie und Fertigung Chips dieser Reihe ein.

Bemerkenswerter als der Chip selbst ist, was Alibaba im selben Zug angekündigt hat: ein deutlich größeres KI-Modell der Qwen-Familie und das Ziel, die weltweite Rechenzentrumskapazität von Alibaba Cloud bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt auszubauen.

Damit zeigt ein einzelner Konzern, was wir bei Deutschland Compute 2035 Orchestrierung nennen: Chip, Cluster, Rechenzentrum, Cloud, Modell und Anwendung werden als zusammenhängendes System geplant und aus einer Hand gesteuert. Jede Ebene ist auf die nächste abgestimmt – von der Rechenleistung über die Energie bis zur Nachfrage.

Europa muss diesen Weg nicht kopieren. Es beginnt auch nicht bei null. Baden-Württemberg hält eine Schlüsselposition in der weltweiten Halbleiterfertigung: Ohne die EUV-Optik von ZEISS aus Oberkochen und die Laser von TRUMPF aus Ditzingen entsteht weltweit kein Spitzenchip. Zugleich gibt es in Europa keine Fertigung unterhalb von sieben Nanometern, und europäische Prozessorprojekte werden in Asien gefertigt.

Die Lücke liegt deshalb selten in einer einzelnen Schicht. Sie liegt in der Verbindung der Schichten: Wer plant in Deutschland Chips, Energie, Netzanschluss, Rechenzentren, Modelle und industrielle Anwendung zusammen? Wer entscheidet, welche Rechenleistung wo gebraucht wird, und wer sorgt dafür, dass Strom, Standort und Nachfrage rechtzeitig zusammenkommen?

Genau diese Frage stellt Deutschland Compute 2035. Nicht, ob Deutschland mehr KI-Rechenleistung braucht, sondern woher sie kommen soll – und wie die vorhandenen Kompetenzen in Industrie, Energie und Forschung zu einem System werden, das schneller und koordiniert umsetzt.

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