Über KI-Infrastruktur wird meist in Megawatt, Chips und Milliarden gesprochen. Eine neue Studie des Swiss Re Institute zeigt eine Grenze, die in der Standortdebatte kaum vorkommt: die Versicherbarkeit. Für deutsche Projekte heißt das, Risiko und Versicherung von Anfang an mitzuplanen.
Wer über den Aufbau von KI-Infrastruktur spricht, spricht meist über Megawatt, Chips und Kapital. Eine Studie des Swiss Re Institute vom September 2026 lenkt den Blick auf eine Größe, die in der Standortdebatte bislang kaum vorkommt: die Versicherbarkeit.
In der sigma-Studie „Time to build: Expanding the frontier of insurability for the capex super-cycle“ schätzt der Rückversicherer, dass KI-Rechenzentren und erneuerbare Energien zusammen bis 2030 mehr als 200 Milliarden US-Dollar an kumulierten Versicherungsprämien erzeugen könnten, etwa zwölf Prozent der weltweiten Prämien in der gewerblichen Sachversicherung. Das ist eine Chance für die Versicherungswirtschaft. Zugleich beschreibt die Studie ein Problem: Nach Schätzung von Swiss Re kann ein einzelner KI-Rechenzentrumscampus einen Wiederbeschaffungswert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Limits großer Versicherer pro Einzelrisiko liegen laut Fachpresse dagegen im niedrigen einstelligen Milliardenbereich. Solche Werte lassen sich nur noch über Konsortien, Rückversicherung und Kapitalmarktlösungen absichern.
Hinzu kommt die räumliche Konzentration. In den USA liegen laut Swiss Re über 40 Prozent der Rechenzentrumskapazität in Texas und Virginia. Rund 40 Prozent befinden sich in tornadogefährdeten Regionen, mehr als ein Viertel in Gebieten mit mindestens drei Hageltagen pro Jahr. Auch die Lieferkette ist betroffen: Rund 88 Prozent der taiwanischen Halbleiterfabriken liegen laut Studie in Zonen mit extremer bis sehr extremer Erdbebengefahr. Wo sich Werte ballen, ballen sich auch Risiken.
Der deutsche Fachdienst Versicherungsmonitor hat das Thema am 16. September aufgegriffen und verweist auf einen Bericht des Versicherungsmaklers Howden: Klassische, nach Sparten getrennte Policen reichen für KI-Megacampusse demnach nicht mehr aus.
Was bedeutet das für Deutschland? Die Zahlen der Studie beziehen sich vor allem auf die USA und Asien und lassen sich nicht eins zu eins übertragen. Die Logik aber gilt überall. Swiss-Re-Chefökonom Jérôme Haegeli bringt sie auf den Punkt: Versicherung sei entscheidend, um diese Investitionen widerstandsfähig und finanzierbar zu machen. Ein Projekt, das nicht oder nur zu hohen Kosten versicherbar ist, wird schwer finanzierbar. Versicherbarkeit ist damit kein nachgelagertes Detail, sondern Teil der Standort- und Finanzierungsentscheidung.
Für eine ernsthafte Standortprüfung gelten schon heute viele Kriterien: verfügbare elektrische Leistung, Netzanschluss, Fläche, Eigentum, Genehmigung, Kühlung, Abwärme und Wirtschaftlichkeit. Die Studie legt nahe, Risiko und Versicherbarkeit ausdrücklich dazuzunehmen, und zwar früh: Naturgefahren am Standort, Klumpenrisiken durch räumliche Konzentration, Abhängigkeiten in der Lieferkette. Das kann auch für Lösungen sprechen, bei denen mehrere gut angebundene Standorte im Verbund arbeiten, statt alles auf wenige Megacampusse zu setzen.
Die Versicherungswirtschaft gehört deshalb früh an den Tisch, gemeinsam mit Netzbetreibern, Energieversorgern, Rechenzentrumsbetreibern, Kommunen und Finanzierern. Nicht als nachträgliche Prüfinstanz, sondern als Partner, der hilft, Projekte robust und finanzierbar aufzusetzen. Deutschland hat mit seiner starken Versicherungs- und Rückversicherungswirtschaft dafür gute Voraussetzungen.
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Bild: Steve Gribble / Unsplash – Symbolbild: Superzelle über Colorado, USA.
Quellen:
Swiss Re Institute, Pressemitteilung „Global investment boom could create USD 200 billion commercial insurance opportunity amid rising accumulation risks, finds Swiss Re Institute“, 05.09.2026: https://www.swissre.com/press-release/Global-investment-boom-could-create-USD-200-billion-commercial-insurance-opportunity-amid-rising-accumulation-risks-finds-Swiss-Re-Institute/51a66f04-139f-4761-9446-38d87d416efe
Swiss Re Institute, sigma 3/2026 „Time to build: Expanding the frontier of insurability for the capex super-cycle“, September 2026: https://www.swissre.com/institute/research/sigma-research/sigma-2026-03-time-to-build.html
Insurance Business, „The US$50bn data-centre problem reinsurers must solve before writing the risk“, 07.09.2026: https://www.insurancebusinessmag.com/reinsurance/news/breaking-news/the-us50bn-datacentre-problem-reinsurers-must-solve-before-writing-the-risk-588893.aspx
Versicherungsmonitor, „Rechenzentren: Das Ende der Siloversicherung“, 16.09.2026: https://versicherungsmonitor.de/2026/09/16/rechenzentren-das-ende-der-siloversicherung/


