Planbarkeit ist der neue Strompreis

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Ein Frachtkahn auf dem Rhein trägt die Container vieler Absender über einen Weg, den keiner allein bezahlt. Beim Stromnetz ist es nicht anders. Heute berät der Bundesrat, wie viel der Bund ab 2027 zu den Kosten der großen Übertragungsleitungen beisteuert. Für Rechenzentren zählt dabei weniger der Cent von heute als die Frage, ob man über zwanzig Jahre mit diesen Kosten rechnen kann.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt einen Frachtkahn auf dem Rhein bei Groß-Gerau. Container von vielen Absendern, ein gemeinsamer Weg. Wer seine Ware so verschickt, muss die Kosten des Flusses nicht jedes Jahr neu kalkulieren. Genau diese Verlässlichkeit fehlt beim Stromnetz gerade.

Wer heute ein Rechenzentrum plant, schreibt eine Kalkulation über zwanzig Jahre und mehr. Zwei Zeilen darin werden gerade neu verhandelt, und beide gleichzeitig: der Zins und das Netzentgelt.

Beim Zins ist die Lage bekannt. Geld kostet wieder etwas, und an den Börsen wird inzwischen offen gefragt, wie der weltweite KI-Ausbau finanziert werden soll. Das kann vor Ort niemand ändern.

Beim Netzentgelt sieht das anders aus. Heute, am 16. Oktober, berät der Bundesrat in seiner 1069. Sitzung den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Zuschuss für die Übertragungsnetzkosten 2027 bis 2029. Vorgesehen sind 5,525 Milliarden Euro pro Jahr. 2026 waren es 6,5 Milliarden. Wirtschafts- und Rechtsausschuss des Bundesrats empfehlen, beim bisherigen Betrag zu bleiben. Außerdem bitten sie zu prüfen, ob der Zuschuss zeitlich verstetigt und aus dem Klima- und Transformationsfonds in den Kernhaushalt überführt werden kann. Begründet wird das unter anderem damit, Unternehmen „in dauerhafter und planungssicherer Weise“ zu entlasten (Bundesrat, Drucksache 509/1/26).

Was auf dem Spiel steht, zeigen die vorläufigen Werte der vier Übertragungsnetzbetreiber, über die die Zeitung für kommunale Wirtschaft am 1. Oktober berichtet hat: Im Schnitt 3,54 Cent je Kilowattstunde für 2027, nach 2,86 Cent in diesem Jahr. Ohne Zuschuss wären es 6,52 Cent. Gibt es bis zum 7. Dezember keine Rechtssicherheit, könnten die endgültigen Entgelte für 2027 laut dem Bericht höher ausfallen.

Ich frage mich, ob die Debatte die richtige Größe im Blick hat. Ob 5,5 oder 6,5 Milliarden, ist für einen Haushalt spürbar und für energieintensive Betriebe wichtig. Für einen Investor in Rechenleistung ist aber etwas anderes entscheidend: Ein Zuschuss, der alle drei Jahre neu ausgehandelt wird, ist eine Zeile, die er nicht sicher füllen kann. Die Länder haben das in ihrer Empfehlung selbst angesprochen. Planungssicherheit ist hier keine weiche Formel, sondern Teil des Preises.

Es lohnt ein Blick nach Südosteuropa. Griechenland arbeitet laut einem Bericht von TaiyangNews vom 13. Oktober an Regeln, nach denen Rechenzentren Netzkapazität nur noch mit nachgewiesener Projektreife und einer Bankgarantie je Megawatt reservieren können. Die Netzbetreiber sollen zudem regelmäßig veröffentlichen, wie viel Anschlusskapazität je Region frei ist. Der Entwurf ist noch in der Konsultation. Man muss nicht jedes Detail übernehmen. Aber die Idee, freie Kapazität offen zu zeigen, beantwortet eine Frage, die bei uns jeder Standortsucher zuerst stellt.

Und hier liegt die gute Nachricht: Ein Teil der Planbarkeit entsteht nicht in Berlin, sondern vor Ort. Am 30. Juli haben in der Region Stuttgart der Verband Region Stuttgart, das Regierungspräsidium, die Landkreise, die Landeshauptstadt, die Wirtschaftsförderung, die Netzbetreiber TransnetBW, Netze BW und Syna, Energieagenturen und Stadtwerke ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Unter dem Namen „Energie.Region.Stuttgart“ wollen sie den Netzausbau gemeinsam koordinieren, Flächen für Umspannwerke und Speicher sichern und Verfahren beschleunigen. Rechenzentren werden dabei ausdrücklich als ein Treiber des steigenden Bedarfs genannt.

Das ist die Art Vorarbeit, die einen Standort berechenbar macht, lange bevor ein Investor anklopft. Offen ist, ob daraus auch eine Übersicht entsteht, wo im Netz der Region wann wie viel Leistung frei wird. Genau darüber wollen wir mit den Beteiligten sprechen.

Wie Baden-Württemberg sich heute im Bundesrat verhält, ist bei Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. Wir tragen es nach, sobald das Ergebnis vorliegt.

Deutschland Compute 2035 ist eine Initiative von Dietmar Mayer aus Ludwigsburg. Wir verbinden Netz, Kommune, Nachfrage, Betrieb und Finanzierung, damit aus erkannten Notwendigkeiten schneller konkrete Projekte werden.

Bild: Bernd Dittrich / Unsplash – Frachtkahn auf dem Rhein bei Groß-Gerau

Quellen:

Bundesrat, Empfehlungen der Ausschüsse zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes zur Gewährung eines Zuschusses zu den Übertragungsnetzkosten für die Jahre 2027 bis 2029, Drucksache 509/1/26, 02.10.2026: https://dserver.bundestag.de/brd/2026/0509-1-26.pdf

ZfK – Zeitung für kommunale Wirtschaft, Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen vorläufige Netzentgelte für 2027, 01.10.2026: https://www.zfk.de/unternehmen/uebertragungsnetzbetreiber-veroeffentlichen-vorlaeufige-netzentgelte-fuer-2027

Verband Region Stuttgart, Verband und Partner nehmen den Stromnetzausbau in der Region Stuttgart in den Blick, 30.07.2026: https://www.region-stuttgart.org/fileadmin/Verband_Region_Stuttgart/Presseinformationen/2026/20260730_Energiewende_Memorandum_of_Understanding.pdf

TaiyangNews, Greece Proposes 60% Renewable Electricity For Data Centers, 13.10.2026: https://taiyangnews.info/markets/greece-proposes-60-percent-renewable-electricity-data-centers