In China belegt ByteDance allein rund ein Fünftel von über 24 Gigawatt Rechenzentrumskapazität. Die Zahl zeigt, woran es in Deutschland zuerst fehlt: an gebündelter, verbindlich zugesagter Nachfrage.
Das Analysehaus SemiAnalysis hat am 25. September 2026 sein Modell für chinesische Rechenzentren vorgestellt. Danach verfügt China über mehr als 24 Gigawatt gelieferte Rechenzentrumskapazität – mehr als Europa, der Nahe Osten und Afrika zusammen, für die SemiAnalysis rund 14 Gigawatt ansetzt, und mehr als das übrige Asien.
Bemerkenswerter als die Gesamtzahl ist ihre Verteilung. Rund ein Fünftel dieser Kapazität belegt ein einziges Unternehmen: ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok. Rechnerisch sind das knapp 5 Gigawatt. Zum Vergleich: Alle Rechenzentren in Deutschland kamen 2025 laut Bitkom zusammen auf 2.980 Megawatt IT-Anschlussleistung; für 2030 erwartet der Verband rund 5.000 Megawatt.
Die beiden Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und sind nicht eins zu eins vergleichbar. Als Größenordnung sind sie trotzdem aufschlussreich. Ein einzelner Großmieter bindet in China mehr Kapazität, als Deutschland insgesamt betreibt.
Was daraus folgt
Rechenzentren entstehen nicht, weil Fläche vorhanden ist oder ein Standort gut angebunden ist. Sie entstehen, wenn ein Abnehmer verbindlich zusagt und ein Betreiber damit finanzieren und bauen kann. SemiAnalysis fasst den chinesischen Ausbau in einem Satz zusammen: Die KI-Ära ist ein Großhandelsgeschäft.
Deutschland beginnt nicht bei null. Es gibt Industrie mit wachsendem KI-Bedarf, Forschungseinrichtungen, Betreiber, Kapital und das Know-how, Rechenzentren zu bauen. Die nationale Rechenzentrumsstrategie ist beschlossen, und viele Akteure arbeiten bereits an Netzanschluss, Genehmigung und Finanzierung. Was bisher kaum sichtbar ist, ist die Nachfrageseite in gebündelter Form: Wer braucht wann wie viel Rechenleistung, und wer würde sie aus einem Standort in Deutschland beziehen?
Diese Frage wird auch beim Netzanschluss wichtiger. Seit 1. April 2026 vergeben die vier Übertragungsnetzbetreiber Anschlusskapazität für Rechenzentren und andere Großverbraucher nicht mehr nach Eingang, sondern nach Projektreife. Zu den Kriterien gehören unter anderem Flächensicherung, Genehmigungsstand und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ein Vorhaben mit belastbaren Abnehmern hat bessere Karten als eines, das erst noch Kunden sucht.
Die Frage an die Region
Deutschland Compute 2035 stellt deshalb die Nachfrage an den Anfang. Unsere Leitfrage an Industrie, Mittelstand, Forschung und Verwaltung in Baden-Württemberg lautet: Wie viel Rechenleistung brauchen Sie bis 2030 in der Region – und wo würden Sie sie beziehen?
Aus vielen einzelnen Antworten kann ein Nachfrageprofil entstehen, das Netzbetreibern, Kommunen und Betreibern eine Grundlage gibt. Das ist kein Ersatz für bestehende Initiativen, sondern die Verbindung zwischen ihnen. Ein einzelner Mieter wie ByteDance wird in Deutschland nicht entstehen. Gebündelte Nachfrage kann ähnlich wirken.
Bild: Glenov Brankovic / Unsplash – Bauarbeiter auf einer Baustelle (Symbolbild)
Quellen:
SemiAnalysis, The Chinese AI Infrastructure Boom: Introducing the SemiAnalysis China Datacenter Model, 25.09.2026: https://newsletter.semianalysis.com/p/the-chinese-ai-infrastructure-boom
The Next Web, ByteDance rents a fifth of China’s data centre capacity, SemiAnalysis says, 29.09.2026: https://thenextweb.com/news/bytedance-data-centre-fifth-china-capacity-semianalysis
Bitkom, Rechenzentren in Deutschland: KI treibt Wachstum, 10.11.2025: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Rechenzentren-Deutschland-KI-treibt-Wachstum
TransnetBW, Reifegradverfahren, abgerufen 30.09.2026: https://www.transnetbw.de/de/transparenz/netzzugang-und-entgelt/reifegradverfahren


